close
Stern

Patienten-Petition: Gegen Profitgier in deutschen Kliniken: Das ist der Mann, der den Ärzte-Appell unters Volk bringt

Patienten-Petition: Gegen Profitgier in deutschen Kliniken: Das ist der Mann,




Ludwig Hammel weiß, was es bedeutet, wenn Patienten im Krankenhaus zum Spielball ökonomischer Interessen werden. Täglich hört er sich am Sorgentelefon die neuen Geschichten seiner Schicksalsgenossen an. Sie leiden, so wie er selbst, an der schmerzhaften rheumatischen Erkrankung Morbus Bechterew, bei der die Wirbelsäule allmählich versteift. Unbehandelt können die Betroffenen binnen weniger Jahre arbeitsunfähig werden und müssen in Frührente. Auch Hammel wäre es fast so ergangen. Sieben Jahre irrte er mit zunehmenden Rückenschmerzen im tiefen Lendenbereich von Arzt zu Arzt, bekam mal Schmerzmittel, mal eine Spritze, mal ein paar Sitzungen Physiotherapie – bis er endlich bei einem Rheumatologen landete, der die Diagnose stellte. Es brauchte dafür nur ein Röntgenbild, eine Blutuntersuchung und ein paar Funktionstests. Für den früheren Leistungssportler, Ski- und Surflehrer Hammel war es zu spät, die Krankheit war weit fortgeschritten. Heute wird seine steife Wirbelsäule von zwei Stahlstangen gestützt, die mit 16 Schrauben in den Knochen verankert sind.Rheumapatienten sind nicht lukrativ für Krankenhäuser1,5 Millionen Menschen in Deutschland leiden an rheumatischen Erkrankungen. Wirtschaftlich gesehen sind sie uninteressant für Krankenhäuser. Das Abrechnungssystem nach Fallpauschalen ist auf “Prozeduren” ausgelegt – Eingriffe aller Art, von der Magenspiegelung bis hin zu großen Operationen. Interview mit stern-Reporter: Was ist seit dem Aufruf der Ärzte im stern – neu_12.40UhrDie Diagnostik von Rheumapatienten ist oft Detektivarbeit, aufwändig und zeitraubend. Zeit aber ist ein rares Gut in dem auf Effizienz getrimmten Klinikbetrieb, schließlich könnten die Ärzte als Renditebringer währenddessen viele andere Patienten mit vielen “Prozeduren” versorgen. Einmal diagnostiziert, brauchen Rheumapatienten vor allem Medikamente, Krankengymnastik und viel Bewegung – auch daran wird wenig verdient. Und so wird das wichtige Fachgebiet in ganz Deutschland kaputtgespart.Immer mehr Betten werden abgebautBeispiel Großraum Hamburg: “Die Anzahl stationärer Betten für die Betroffenen an ursprünglich vier Standorten ist in den vergangenen Jahren von mehr als 100 auf derzeit etwa 30 gesunken”, sagt Ina Kötter, die bis Mitte diesen Jahres an einem dieser Standorte, der Hamburger Asklepios Klinik Altona, arbeitete – und dann mitsamt ihrem fast kompletten Ärzteteam inklusive einiger Pflegekräften und Krankengymnasten kündigte. Sie selbst möchte sich derzeit nicht zu den Gründen äußern, aber der Hamburger Landesvorsitzende Peer Aries springt ihr zur Seite: Die Abteilung sei zwar zumindest nach den ihm vorliegenden Informationen profitabel, jedoch mit den Renditevorstellungen des Unternehmens nicht vereinbar gewesen. Der Pressesprecher des Asklepios-Konzerns bestreitet dies auf Nachfrage des stern und verweist darauf, das Kötter einem Ruf an die Universität Hamburg gefolgt sei, man habe einen Nachfolger für sie gefunden. Ob und wann auch die anderen Mitarbeiter ersetzt werden, die gekündigt hatten, lässt er jedoch offen.”Hamburg ist keine Ausnahme”, sagt Ina Kötter. “Bundesweit gibt es Beispiele teils sehr renommierter Fachkrankenhäuser, die geschlossen wurden.” Zwar könne man bei rheumatologischen Patienten viele Situationen auch ambulant beherrschen. “Aber wenn Patienten schwere Schübe mit Lungen- oder Nierenbeteiligung erleiden oder sich vor Schmerzen kaum noch bewegen können, dann gehören sie in Krankenhäuser”, so Kötter. Die Wartezeiten für rheumatologische Patienten liegen zwischen vier und acht MonatenLängst hat die prekäre Situation an den Kliniken Auswirkungen auf den ambulanten Bereich. Nur wenige Ärzte wollen sich in dem schlecht vergüteten Spezialgebiet weiterbilden, und für die Interessierten halten die Krankenhäuser nicht ausreichend Stellen vor. Jährlich legen nur noch etwa 30 Internisten die Zusatz-Facharztprüfung ab. “Das genügt nicht, um die wegen Rente ausscheidenden Kollegen zu ersetzen”, sagt Kötter. Die Wartezeiten für rheumatologische Patienten liegen bundesweit zwischen vier und acht Monaten für einen Facharzttermin, und das, obwohl man weiß, das es extrem wichtig ist, so früh wie möglich adäquat zu behandeln, um Spätschäden zu vermeiden. stern-Reporter Bernhard Albrecht im Interview20.15In Schweinfurt, wo Hammel mit seiner Frau, der 25-jährigen Tochter und der Katze “Nixe” in einer Doppelhaushälfte lebt, gibt es zwei Krankenhäuser – keines mit Rheumatologie. “Die nächste Fachabteilung ist 50 Kilometer entfernt in Würzburg, aber auch dort wurden Betten abgebaut”, sagt Hammel.Mit Schmerzen im Rücken die Ärzte um eine Spritze angebetteltEindrücklich ist ihm in Erinnerung geblieben, wie er einmal in einer Notaufnahme eines Krankenhauses ohne Rheumatologie, von starken Schmerzen gepeinigt, um eine Spritze bettelte. “Ein akuter Schub war im Anmarsch, in einem Krankenhaus mit Rheumatologie hätte man mich stationär aufgenommen und mit Medikamenten behandelt, die das Immunsystem unterdrücken.” Doch der junge Internist in der Notaufnahme habe zunächst die Diagnose angezweifelt. Die Schmerzspritze bekam Hammel schließlich nur deshalb, weil er dem hinzugezogenen Chefarzt eine Visitenkarte vorlegen konnte, die ihn als Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew e. V.  auswies.Als Hammel im stern über den Ärzte-Appell las, kam er sofort auf die Idee, ihn mit allen Kräften zu unterstützen. “Das war längst überfällig. Und wir rheumatologischen Patienten gehören zu denen, die am meisten unter der Ökonomisierung des Gesundheitswesens zu leiden haben”, sagt er.Patienten-Petition nach Ärzte-Appell 13.04Deshalb startete er eine Online-Petition unter dem Titel “Mensch vor Profit: Ökonomisierung an deutschen Krankenhäusern abschaffen!” – auch im Namen anderer Patienten mit chronischen Krankheiten, die unter dem Profitstreben zu leiden haben und beispielsweise an Diabetes mellitus, Schuppenflechte oder der entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn leiden. In der Petition fordert Hammel den Bundesgesundheitsminister Jens Spahn direkt auf, die zentralen Forderungen des Ärzte-Appells umzusetzen.Die Petition kann jeder ganz einfach online unterschreiben: change.org/MenschVorProfit



Source link : https://www.stern.de/gesundheit/patienten-petition–ludwig-hammel-bringt-den-stern-aerzte-appell-unters-volk-8925784.html?utm_campaign=alle-nachrichten&utm_medium=rss-feed&utm_source=standard

Author : Bernhard Albrecht

Publish date : 2019-09-26 15:48:14

Copyright for syndicated content belongs to the linked Source.

Tags : Stern

https://www.lecordonniermalchausse.fr/   https://monpotagerinterieur.com   https://lilleaquariophileclub.com   https://www.puzzlee.org/   https://www.minipc.biz/   https://news4africa.org   https://www.unmaillotdebain.com/   https://www.bcroyptti.org   https://boutique-maillot-bain.com   https://www.aboutmedical.net