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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Meine Lieblingswerbung geht nicht mit der Zeit

F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Meine Lieblingswerbung geht nicht




Wenn ich an die Wohnung meiner Großeltern in Hannover denke, dann sehe ich die Standuhr sofort an der Wand stehen. Ein beeindruckendes Statement aus Kiefernholz, vom traditionsreichen Hersteller Kieninger aus dem Schwarzwald. Immer zur vollen Stunde lauschten wir fasziniert den Melodienschlägen des mächtigen Pendels, besonders um 12 Uhr war es eine großartige Show. Mein Großvater Fritz liebte Uhren. Kein Wunder, dass auch sein Lieblingslied damit zu tun hatte: “Die Uhr”, von Carl Loewe. An besonderen Tagen wurde im Hause Behrendt eine Schallplatte des Baritons Hermann Prey aufgelegt. Mit seiner grandiosen Stimme intonierte der Opernsänger das Lied, dessen Text ich schon damals bemerkenswert fand:”Ich trage, wo ich gehe, stets eine Uhr bei mir;  Wieviel es geschlagen habe, genau seh ich an ihr.  Es ist ein grosser Meister, der künstlich ihr Werk gefügt, wenngleich ihr Gang nicht immer dem törichten Wunsche genügt. Ich wollte, sie wäre rascher gegangen an manchem Tag; ich wollte, sie hätte manchmal verzögert den raschen Schlag. In meinen Leiden und Freuden, in Sturm und in der Ruh, was immer geschah im Leben, sie pochte den Takt dazu.” kurzbio BehrendtIm Geschichtsunterricht erklärte unser Lehrer uns einmal, wie die Zeitmessung ihren Lauf nahm. Vor vielen hundert Jahren gingen unsere Vorfahren, wenn die Sonne unterging schlafen und standen mit dem ersten Hahnenschrei wieder auf. Sie lebten nach dem Lauf der Natur, dem Wechsel der Jahreszeiten und dem Gang der Sonne. Ende des 13. Jahrhunderts wurde die mechanische Räder-Uhr in einem Kloster erfunden. Damals hatte sicher niemand daran gedacht, dass dadurch ein völlig neues Zeitbewusstsein entstehen würde.Mit dem Start der Industrialisierung gaben die Uhren das Zeitmaß für die Produktionsprozesse vor. Tempo und Akkord bestimmten die tägliche Arbeit. Heute schlägt der Zeittakt noch schneller und wir beschleunigen unser Schaffen, indem wir oft gleichzeitig mehrere Dinge tun. Zeit ist zu einer knappen Ressource geworden, die inzwischen von vielen nicht mehr an einer Uhr, sondern digital am Smartphone oder einer Smartwatch am Handgelenk abgelesen wird.Umso bemerkenswerter, dass der Genfer Uhrenhersteller Patek Philippe seit über 20 Jahren immer mit der gleichen Kampagne wirbt. Ich kenne sie, kann den Text eigentlich auswendig. Aber jedes Mal, wenn ich ein Motiv entdecke, halte ich inne. Die in Schwarz-Weiß gehaltenen Motive, die von der Agentur Leagas Delaney stammen, sorgen bei mir dafür, mich dem Zeitdruck der Gegenwart zu entziehen.Brücke zur UnsterblichkeitSie spielen immer mit einem magischen Moment: Zeit, die Eltern mit ihren Kindern verbringen. Mal wird gemeinsam gelesen, Schach gespielt, oder am Rande des Tenniscourts ein wenig geplaudert. Auf einem Motiv lassen Eltern und Kinder gemeinsam Seifenblasen aufsteigen. “Beginnen Sie Ihre eigene Tradition” lautet immer der Slogan über den wunderbaren Bildern, die von verschiedenen Top-Fotografen – wie dem legendären Peter Lindbergh – in Szene gesetzt wurden und werden. Uhrenpreis_17.15Im Text unter dem Foto wird stets erklärt, dass einem eine Patek Philippe nie ganz alleine gehört. Man erfreut sich zwar ein Leben lang an ihr, aber eigentlich bewahrt man sie schon für die nächste Generation. Eine clevere Brücke zur Unsterblichkeit, die emotional ins Herz führt. Auch wenn ich – trotz meiner Begeisterung für diese besondere Kampagne – (noch) keine Uhr dieses Herstellers besitze, ist er mir extrem sympathisch.Vielleicht liegt es auch daran, dass hinter den wertigen Chronographen der 180 Jahre alten Firma eine Familie steckt: In vierter Generation lenken die Sterns die Geschicke des Hauses und bewahrten – im Gegensatz zu vielen anderen Luxusmarken – ihre Eigenständigkeit. Thierry Stern steht aktuell an der Spitze und ist ein bodenständiger Typ, der Äußerlichkeiten wenig Bedeutung beimisst. Wenn man weiß, dass auch die Kinder des Chefs der Manufaktur treu bleiben werden und der jüngste Spross derzeit eine Uhrmacherschule besucht, kann man erahnen, dass die Kampagne des Hauses noch lange weiterlaufen wird.Ich finde das wunderbar und ebenfalls beruhigend, dass mechanische Uhren trotz aller Digitalisierung nach wie vor heiß begehrt sind. Vielleicht ja auch gerade deshalb. “Inmitten des digitalen Gezappels hat eine richtige Uhr etwas Beruhigendes”, erklärte mir der Uhrmachermeister eines renommierten Fachgeschäfts in Köln, als ich mit ihm beim Abholen meiner Uhr nach erfolgter Jahreswartung sprach.Die Firma, die einst die eindrucksvolle Standuhr im Hause meiner Großeltern herstellte, gibt es übrigens auch noch. Sie ist der älteste bestehende deutsche Hersteller für mechanische Großuhren. Auf ihrer Website heißt es: “Das gemächliche Ticken einer Wohnraumuhr schafft eine heimische Atmosphäre, die uns entspannt und wieder Zeit genießen lässt.” 



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Publish date : 2019-11-22 20:12:24

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