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Welttag des Wassers: “Ich habe gemerkt, wie sich etwas verwandelt hat”: Viva-con-Agua-Gründer Benny Adrion über seine Hilfsprojekte

Welttag des Wassers: "Ich habe gemerkt, wie sich etwas verwandelt hat": Viva-con-Agua-Gründer Benny Adrion über seine Hilfsprojekte




Viva con Agua unterstützt den Bau von Brunnen, Waschmöglichkeiten und Sanitäreinrichtungen überall dort auf der Welt, wo es am nötigsten ist. Im stern-Interview berichtet Vereinsgründer Benny Adrion, welche Schwierigkeiten die Helfer im Corona-Jahr 2020 hatten – und was wir alle tun können, um gegen Wasserknappheit zu kämpfen.Weit mehr als 2,2 Milliarden Menschen weltweit haben keinen gesicherten Zugang zu sauberem Trinkwasser. Diese Zahl rüttelte Benjamin Adrion, 39, so sehr auf, dass er im Jahr 2006 in Hamburg den Verein Viva con Agua St. Pauli e.V. gründete, um auf verschiedenste Weise Geld für Hilfsprojekte zusammenzutragen. Viva con Agua vertreibt Mineralwasser, inzwischen auch das Toilettenpapier Goldeimer, sammelt Pfandflaschen auf Festivals und natürlich Spenden – alles, um mit den Erlösen denen, die es am dringendsten brauchen, Zugang zu Hygiene und Trinkwasser zu ermöglichen. Bis heute hat der Verein zahlreiche Hilfsprojekte in 12 Ländern – vor allem in Afrika – auf die Beine gestellt. Der stern hat mit dem Gründer gesprochen.Sie sind gerade in Südafrika. Vermutlich ja nicht, um Urlaub zu machen – woran arbeiten Sie dort?
Wir sind hier mitten im Umbau und der Renovierung der “Villa Viva Kapstadt”. Das soll ein Ort der Begegnung und des kreativen Austauschs werden, unser erstes Social Business auf dem afrikanischen Kontinent. Das geht einher mit dem Aufbau von Viva con Agua Südafrika, seit 2020 gibt es hier eine eigene kleine Organisation, mit der wir gerade ein großes Wasserprojekt in Eastern Cape unterstützen. Wir sind aktuell noch in der Analyse: Was wird dort wirklich gebraucht? Vermutlich werden besonders die Verbesserung der Waschsituation, Sanitär und Hygiene, eine große Rolle spielen – gerade in dieser Zeit.PAID Wird das Trinkwasser knapp? 13.26Wie beeinflusst Corona derzeit die Arbeit von Viva con Agua in den Projekten vor Ort?
In Südafrika sind die Zahlen glücklicherweise aktuell sehr niedrig, wir sind froh, dass wir unsere Arbeit hier wieder aufnehmen konnten. Im Lockdown 2020 sind viele Projekte zeitweise komplett zum Stillstand gekommen. Jetzt trägt man hier zwar noch Masken, aber die Strände sind geöffnet, die Leute treffen sich und die Schule beginnt wieder. Speziell beim Schulbeginn wollen wir mit unserer Arbeit dazu beitragen, dass das reibungslos klappt, indem wir die Hygienesituation verbessern.
In Europa gibt es ja noch sehr große Einschränkungen – der Blick nach Deutschland ist bedrückend. Vieles ist im vergangenen Jahr zusammengebrochen. Nichtsdestotrotz haben wir 2020 mehr Spenden als jemals zuvor weitergegeben! Wir haben zwar ähnlich viel gesammelt wie in den vorherigen Jahren, aber bei den Ausgaben deutlich gespart, wodurch am Ende mehr für die Projekte übrig blieb. Natürlich fehlen uns Events und Konzerte, auf denen wir ja regelmäßig Pfandbecher-Spenden sammeln, und auch unserem Mineralwasser geht es wegen des Wegfalls der Gastronomie nicht so gut. Zudem geht’s bei Viva con Agua ja auch darum, dass Menschen sich treffen, im echten Leben. Das geht gerade natürlich nicht wirklich. Allerdings wird in Deutschland ja vermutlich trotz aller Schwierigkeiten zum Ende des Jahres eine kritische Masse geimpft sein – davon ist Südafrika beispielsweise noch weit entfernt. Deshalb ist Deutschland, im Kontext, in einer vergleichsweise guten Situation.Was war der Moment, in dem Sie ganz persönlich begriffen haben, was es wirklich für die Menschen bedeutet, keinen Zugang zu sauberem Wasser zu haben?
Das war in Äthiopien, als unser erster Brunnen dort eingeweiht wurde. Es war krass, den Unterschied zu erleben, den das gemacht hat. Bei meinem ersten Besuch im Dorf kam das Wasser noch aus dem Fluss, ein Jahr später gab es dann Brunnen im Dorf. Ich habe gemerkt, wie sich etwas verwandelt hat. Natürlich hatte das auch Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen, gerade für Kinder. Um nachvollziehen zu können, was das mit uns macht, müssten wir mal eine Weile nur Wasser aus Pfützen trinken. Außerdem gibt es Ebenen, deren Entwicklung gar nicht erreichbar sind, wenn man täglich Stunden damit verbringt, Wasser vom Fluss zu holen oder kranke Familienmitglieder zu pflegen. Warum haben viele Menschen keinen Zugang zu Wasser und was haben Konzerne damit zu tun?
Konzerne spielen eine große Rolle, aber man muss da differenzieren. Nur 0,0009 Prozent des Trinkwassers wird in Flaschen abgefüllt. Gegen Nestlé und Co. zu wettern, ist ein populäres, aber nicht ganz richtiges Argument. 70 Prozent des Wasserverbrauchs gehen an die Landwirtschaft, 20 Prozent an Unternehmen, 10 Prozent an Privathaushalte. Und deshalb ist es so wichtig, wie wir Industrie und Landwirtschaft organisieren. Rindfleisch hat etwa den mit Abstand größten Wasserverbrauch. Kaffee ist auch ein gutes Beispiel, auch der wird in Gebieten angebaut, die unter Wasserknappheit leiden. Da kann man sich vorher informieren und etwa Kaffee aus Ruanda kaufen, wo es genug Wasser gibt, und nicht aus Äthiopien. Es hilft, sich mal an die eigene Nase zu fassen und den eigenen Konsum zu hinterfragen, statt zu sagen: Nestlé zapft den armen Menschen das ganze Wasser ab. Wichtig ist, dass wir sensibel werden, was wir konsumieren.Eine von Viva con Agua gebaute Wasserentnahmestelle in Äthiopien
© Viva con AguaWas sind aktuell die am härtesten betroffenen Regionen?
Da muss man direkt auf den Klimawandel hinweisen: In vielen Regionen leiden die Menschen unter der Ausweitung von Wüstengebieten. Das ist in Nordafrika der Fall, auch Südafrika ist stark betroffen, und auch im Inland gibt es verschiedene Hotspots. Und dann beispielsweise auch Australien. Selbst in Deutschland haben wir es vor zwei Jahren im Dürresommer zu spüren bekommen, als der Rhein plötzlich fast leer war. Wir müssen uns klarmachen: Der Klimawandel ist ein Problem, mit dem wir etwas zu tun haben. Wir spüren die Folgen auch vor der eigenen Haustür. Dazu kommt: Wenn Menschen an dem Ort, an dem sie zu Hause sind, plötzlich keine Lebensgrundlage mehr haben, machen sie sich auf den Weg woanders hin.PAID STERN 2020_34 „Für die Wälder ist es eine Katastrophe“ 1550Wie können die Menschen in Deutschland helfen, die Situation in Sachen Wasser und Klima weltweit zu verbessern?
Es geht vor allem darum: Welches Modell von Entwicklung streben wir an? Bisher waren wir Menschen aus Europa, bzw. der westlichen Welt, ein sehr unnachhaltiges Vorbild. Wir bräuchten jetzt eigentlich schon mehr Planeten, als wir haben. Und es gibt sehr viele Menschen, die noch nicht unseren Luxus haben: mehrere Autos, täglich Fleisch, die vielen Kleidungsstücke. Wenn alle Menschen uns nacheifern, können wir den Laden dichtmachen. Dann können wir nur hoffen, dass Elon Musk in seiner Marsrakete noch ein paar Plätze frei hat. Wir müssen nachhaltiger werden, und dazu müssen wir unsere Systeme, unseren Konsum und unsere Energieversorgung von Grund auf umbauen. Wir müssen mit der ganzen Welt zusammen ein Modell entwickeln, das auf nachhaltigen Füßen steht.Unter diesem Link finden Sie alle Informationen dazu, wie Sie den Verein Viva con Agua unterstützen können – durch Spenden, Mitarbeit oder bewusstes Einkaufen.



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Author : Wiebke Tomescheit

Publish date : 2021-03-22 05:00:00

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Tags : Stern

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